REIHENHAUSANLAGE MAUER

Hauptplatz 2-11, 3362 Mauer bei Amstetten, A: Franz Fehringer, Herbert Prader, 1957–1962.

Die Reihenhausanlage aus zehn Einfamilienhäusern wurde für MitarbeiterInnen des Landesklinikums in Amstetten errichtet. Die Einzelobjekte weisen fast idente Grundrisse auf; die gleich aufgebauten Fassaden tragen heute unterschiedlichste Verkleidungen und Farbgebungen, wodurch die zu einander leicht versetzt liegenden Häuser ein belebtes Erscheinungsbild aufweisen.

Bearbeitet von Yvonne Fetz, Laurenz Huber, Julia Peham.

Zehn Bauherren, ein Grundriss

ENTSTEHUNGSKONTEXT

Die Erbauer und Ursprungseigentümer der Reihenhaussiedlung waren alle MitarbeiterInnen des Landesklinikums in Amstetten. Als einer der größten Arbeitgeber nahe Mauer war es dem Krankenhaus in Kooperation mit der Gemeinde ein Anliegen, eine Ansiedlung der MitarbeiterInnen zu unterstützen. Für die Planung der Siedlung wurden Dipl.-Ing. Franz Fehringer und Dipl.-Ing. Herbert Prader beauftragt. Für Franz Fehringer war dieses Projekt wohl ein besonderes Anliegen, da dieser in Öhling bei Mauer geboren wurde und bis zu seinem Umzug nach Wien in Mauer wohnte. Die Planung der Reihenhaussiedlung war eines der ersten Projekte, für welches er zusammen mit Herbert Prader engagiert wurde. 1957 zeichneten Fehringer und Prader die Pläne für die Siedlung, waren anschließend jedoch nicht mehr in die Ausführung involviert, da diese an eine Baufirma vergeben wurde. Den Bauakten kann entnommen werden, dass das Bauansuchen am 6. Mai 1958 am Gemeindeamt Mauer bei Amstetten mit der Anfrage auf „Neubau im Reihenhausverband“ eingelangt ist. 

ERRICHTUNG

An den Grundrissen kann man erkennen, dass jedes Gebäude die selben Abmessungen hat, ebenso wie zu jedem Bauwerk am anderen Ende des Grundstücks eine Garage eingeplant wurde. Die drei Meter breite Straße, welche um die Grundstücke führt, wurde von der Gemeinde abgetreten und dient als Privatstraße für die EigentümerInnen als Zufahrt und zur Erschließung des Baugrundes. Die Gebäude sind mit dem Eingang und einem kleinen Vorplatz zum Hauptplatz ausgerichtet. Das Bauwerk an sich füllt das Grundstück in der Breite komplett aus. An der Rückseite entsteht somit jeweils ein Garten, in welchem auch die Garagen zu den jeweiligen Parzellen liegen. Die Parzelle, die eine Länge von 53,75 m und einer Breite von 42,43 m an der breitesten und 38,64 m an der schmalsten Seite aufweist, wird auf acht gleichbreite Parzellen mit 4,75m und die zwei Eckparzellen 8,875m aufgeteilt. Die ersten fünf Gebäude, Hauptplatz 2-6, wurden in einer horizontalen Linie 5,4m parallel hinter der Baulinie angeordnet, aufgrund des schrägen Bauplatzes springen die Gebäude vom Hauptplatz 7-8 um einen Meter nach vorne; die Gebäude Hauptplatz 7-9 um einen weiteren Meter.

Jedes Bauwerk ist vollständig unterkellert und bietet fünf Räume sowie einen separaten Ausgang in den Garten. Die Gebäude wurden auf Streifenfundamenten im gewachsenen Boden verankert. Diese wurden in Stampfbeton ausgeführt, ebenso wie die tragenden Wände des Kellers. Die Obergeschoße der Häuser wurden mit 25 cm Hohlblocksteinen aufgemauert, die Decken im Werk vorgefertigt und dann eingefügt. Die Fußbodenhöhe des Eingangs liegt 1,12 m über dem gewachsenen Boden. Die Etagen werden über eine vom Keller ins Erdgeschoss führende Stahlbetontreppe erreicht, vom Wohnraum ins ?1. Obergeschoß über eine gewendelte Holztreppe. Jedes Gebäude umfasst eine Nutzfläche von 184,6 m2. Die Kellerfläche beträgt 39,5 m2, der Dachboden 40,6 m2, die Wohnfläche umfasst 84,5 m2 im Erd- und Obergeschoß. Die Bewohnungs- und Benutzungsbewilligung wurde nach Lokalaugenschein am 9. Mai 1962 erteilt.

Lageplan mit Parzellierung
Längsschnitt, Einreichplan 1957

SCHLUSSFOLGERUNG

Mittlerweile sind nur noch zwei der zehn Häuser der Siedlung in Erbbesitz, alle Weiteren wurden verkauft. Einige Grundrisse weichen mittlerweile von den von Prader und Fehriger entwickelten Einreichplänen von 1957 ab. Das Besondere an der Planung zu diesen Zeiten ist das relativ moderne offen geplante Wohnzimmer und die von dort ausgehende freie Treppe zu den Schlafräumen. Weiters gibt es im Erdgeschoß eine lichtoffene Abtrennung zum Außenraum. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Häuser durch die gekoppelte Bauweise im Verbund sehr effizient und ressourcenschonend gebaut wurden. Die Häuser sind jeweils durch eine tragende Wand voneinander getrennt, wodurch alle Innenwände als nicht tragende Elemente ausgeführt werden konnten.

Bereits während der Errichtung bzw. bei späteren Wechseln der BesitzerInnen wurden die Terrassen individuell angepasst. Manche der Terrassen wurden partiell geschlossen und zu Loggien umgewandelt, andere komplett in Wintergärten umgebaut.

Durch die Unwirtschaftlichkeit
der gewendelten Treppe wurde diese bei einigen Häusern gerade und freistehend im offenen Wohnzimmer, dem Highlight des Hauses, ausgeführt. Dies führte außerdem zu einem noch moderneren und offeneren Raumgefüge.

Auch die Treppe zum Dachgeschoß wurde individuell gelöst und teilweise durch eine einklappbare Treppe ersetzt, um mehr Platz im Vorraum des Obergeschoßes zu schaffen.

QUELLEN

Bauamt Mauer bei Amstetten, Bauakte 594-599.

Mündliche Mitteilungen von Franz Fehringer, Dezember 2021. http://www.architektenlexikon.at/de/
1432.htm (30.01.2021).

http://www.architektenlexikon.at/de/
1423.htm (30.01.2021).

https://www.statistik.at/web_de/
klassifikationen/regionale_
gliederungen/gemeinden/
index.html (29.01.2021).

BILDNACHWEISE

Aktuelle Aufnahme: Foto Yvonne Fetz, 2021.

Baustellenaufnahmen: Fotos von Wolfgang Tober, 1960.

Pläne: Grafiken der AutorInnen.